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Managementkompass für den digitalen Wandel

Autor: Joachim Skura, Strategy Director HCM Applications, @JoachimSkura

Es ist ein Leichtes, Schlagworte wie „Digitale Transformation“ mit Aspekten und Interpretationen auszuschmücken. Zu behaupten, dieses oder jenes sei wichtig oder gar unabdingbar, um zu digitalisieren. Kaum einer kann aber derzeit Fakten auf den Tisch legen, wie das Wirkungsgefüge Technik-Organisation-Produktivität tatsächlich aussieht oder bestmöglich aussehen sollte. Oder um es mit den Worten des Physikgenies Steven Hawking zu sagen: „Gefährlicher als Unwissenheit ist die Illusion von Wissen.“

Digitale Transformation ist vornehmlich Transformation und nicht Digitalisierung des Bestehenden. Dabei belegt eine neue Studie von Oracle und der WHU Otto Beiheim School of Management, dass Technologie für den Unternehmenserfolg zwar zwingend ist, ihr Einsatz aber nur dann Produktivität schafft, wenn sieben weitere Faktoren den Wirkungsgrad freisetzen.

Investitionen in Technologie sind kein Selbstzweck. Ziel ist es vielmehr, einen relativen Wettbewerbsvorteil der Organisation zu schaffen. Eine Kombination aus Prozessen, Skills, Kultur und Assets, wie Technologie, die etwas schaffen „um die Nase vorn zu behalten“. Daher bedarf es eines umfassend untermauerten Modelles, dass auf Anpassbarkeit und Agilität der Organisation basiert. Wir nennen es das Adaptable-Business-Modell, ein neue Methode, Unternehmen die Orientierung zu bieten,  ihre Effizienz und Produktivität zu verbessern. Die Unternehmenseffizienz kann gemäß der Studie um knapp zwei Drittel steigen, wenn Technologie von sieben Faktoren, darunter eine unterstützende Firmenkultur und eine langfristige digitale Vision, flankiert wird. Werden Lösungen, Systeme und Co. hingegen ohne die sieben unterstützenden Faktoren eingesetzt, steigt die Effizienz nur um knapp fünf Prozent.

Die Oracle Studie liefert nicht nur neue Ergebnisse bei der Quantifizierung der Gesamtzusammenhänge. Sie arbeitet außerdem auch die signifikanten Treiber beziehungsweise Katalysatoren von Technologie sowie deren Priorisierung im Detail heraus. Insgesamt bietet sie damit eine Art „Managementkompass“ für die digitale Welt.

Zu den entscheidenden sieben Faktoren oder Treibern neuer Technologie, die wir im Rahmen der Studie isolieren konnten, gehören: datengestützte Entscheidungsfindung (Evidenz), Offenheit für Veränderungen, Unternehmer Mindset,  eine von allen geteilte digitale Vision, kritisches Denken und Hinterfragen, individuelle Lernkultur sowie offene Kommunikation und Zusammenarbeit.

 

 

Keine wirklich erfolgreiche Implementierung ohne die fantastischen Sieben

Die gute Nachricht: Viele Unternehmen wissen bereits um die Bedeutung von Anpassungsfähigkeit und Agilität und setzen auf Technologien, die dies unterstützen. Das Problembewusstsein ist also schon einmal gegeben. Werden hierbei aber die sieben Faktoren missachtet, die für eine erfolgreiche Realisierung der potentiellen Effekte von Technologie vonnöten sind, mindert das beispielsweise die Fähigkeit, um Talente zu konkurrieren: Ein Drittel der Befragten gab an, dass sie mit ihrer derzeitigen Struktur nicht in der Lage seien, Menschen mit den richtigen Fähigkeiten für ihre Bedarfe zu gewinnen. Weitere schöne Beispiele: Knapp zwei Dritteln aller Studienteilnehmer hinterfragen Geschäftsentscheidungen lieber nicht noch einmal. Und obwohl allerorten über Agilität philosophiert wird, plant lediglich ein Drittel der befragten Unternehmen Telearbeit – die wahrlich einfachste Form von Flexibilisierung – in den nächsten Jahren anzubieten.

Dieser sieben Aspekte  sollten sich Unternehmen widmen, um ihre digitale Zukunft zu sichern:

  • Datengestützte (evidenzbasierte) Entscheidungsfindung:  Gut informierte Entscheidungen zu treffen ist essentiell. Insbesondere, da wir uns zukünftig auf unbekanntem Terrain bewegen werden. Die Quantifizierung von Input und Output ist unerlässlich. Insbesondere vor dem Hintergrund, mit dem Etablierten brechen zu wollen, ist dieser Faktor zwingend.

  • Offenheit für Veränderung: Jedem Einzelnen, aber auch Unternehmen, wohnt eine gewisse Trägheit inne. Veränderung ist immer unbequem und muss daher gut begründet sein. Es ist eine Frage der inneren Haltung, ob ich eher daran glaube, dass uns Digitalisierung helfen wird, Krebs zu heilen oder ich Angst vor Robotoisierung habe. Ein kritischer und zugleich konstruktiver Blick ist gefragt.

  • Individuelle Lernkultur: Neues geht ja bekanntlich mit Unbekanntem einher. Strebe ich also technologieunterstützte Veränderung beziehungsweise Optimierung an, bleibt es nicht aus, Neues zu lernen. Immer. Stetig. Da hilft allerdings kein Katalog vordefinierter Trainings, sondern Unternehmen müssen dem Einzelnen Freiraum für individuelle Schulungen geben.

  • Offene Kommunikation und Collaboration: Transparenz und Zusammenarbeit gilt es zu fördern, denn sie wird nicht gelebt. Laut Studie behalten die meisten Mitarbeiter ihr Wissen lieber für sich. Flexibilität in Raum und Zeit lässt sich technisch bereits einfach realisieren. Reale Kollaboration braucht eine bestimmte Führungskultur und auch die Möglichkeit von den Ergebnissen zu profitieren, etwa in puncto beruflicher Entwicklung.

  • Gemeinsame digitale Vision und partizipativer Führungsstil: „Gemeinsam“ ist hier das  Schlüsselwort. Klassische hierarchische Führungsansätze brauchen zumindest Ergänzung in puncto „Meinungsfreiheit“. Ideen, die an Etabliertem rütteln, müssen Raum finden können. Projektorientiertere Arbeitsorganisation und Instant Feedbacks gehören zu einem partizpativerem Führungsstil. Ein gemeinsames Verständnis dazu, wohin die digitale Reise geht, ist die Grundlage.

  • Unternehmer-Mindset: Ein Unternehmen, dass verstanden hat, dass es sich langfristig permanent anpassen muss, benötigt Mitarbeiter, die eine gewisses Maß an Unternehmergeist verinnerlichen und auf dieser Basis handeln. Dafür müssen sie sich und ihre Ideen ausprobieren dürfen, Dinge in Frage stellen. Gleichzeitig darf das Unternehmen einfordern, dass diese Ideen sich rechnen müssen und das ein sinnvoller Business Case damit einhergeht. Die Einschätzung dieser Sinnhaftigkeit liegt dabei beim Ideengeber. Er muss seinen Fall verantworten können – eben wie ein Unternehmer.

  • Kritisches Denken und Hinterfragen:  In einer Welt, in der alle Informationen permanent verfügbar sind, ist es wichtiger, die richtigen Fragen zu stellen und komplexe Inhalte zusammenführen zu können – alleine oder im Team. Fundamentale Wirkungszusammenhänge erkennen, etabliertes neu einzuschätzen, ob man es nicht anders machen kann, etc. bedarf gesteigerter Kompetenz in Analytik und Kombinatorik.

Routenplaner für die Herausforderungen des digitalen Wandels

Die Ergebnisse unserer Studie geben hilfreiche Einblicke und Handlungsempfehlungen, die dem Gefühl digitaler Desorientierung eine Art Routenplaner entgegensetzen. Die Wahl der richtigen Tool- und Mindsets kann im Zusammenspiel die Produktivität von Unternehmen massiv positiv beeinflussen. 

Navigatoren gesucht!

Unsere aktuelle Studie und die hiermit einhergehenden Überlegungen zeigen deutlich: Die digitale Transformation ist weit mehr als nur ein IT-Thema. Sie muss vielmehr vom gesamten Unternehmen angenommen und getragen werden – vom Vorstand bis zur operativen Ebene. Die genannten Faktoren sind hierbei der eigentliche Katalysator für den Erfolg eines Technologieeinsatzes. Sie helfen, die Effizienz eines Unternehmens um zwei Drittel zu steigern. Das Adaptable Business-Modell unterstützt diese nachweislich, effizienter zu werden und wirkt sich positiv auf das Gesamtergebnis aus.

Adaptivität ist dabei kein reines HR-, sondern vorrangig ein People Thema. Es ist das Verständnis, dass Menschen die Unternehmung sind, und diese entsprechend gestalten und verändern. Unternehmensführung und HR schaffen idealerweise die Vorausetzungen, die sieben Faktoren zu realisieren. „Make Work more Human“ sollte das Ergebnis sein hinsichtlich unternehmerischer Freiheit, realem Beitrag, dem Luxus permanenten Dazulernens oder auch dem Gefühl an etwas Größerem mitzuwirken.

 

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Comments ( 1 )
  • Dr. Winfried Felser Wednesday, July 17, 2019
    TolleZusammenfassung, Fakten statt Fake News! Auch bei der Digitalen Transformation wichtig.
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