X

Neuigkeiten, IT-Strategien und
Expertenwissen von Oracle aus der DACH-Region

Kein Tabu mehr: psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

Autor: Joachim Skura, Strategy Director Human Capital Management bei Oracle

Die Corona-Pandemie rückt Thema in den Fokus der Öffentlichkeit

Corona und seine Auswirkungen halten Gesellschaft und Wirtschaft in Unsicherheit. Unternehmen und ihre Mitarbeiter sind hart getroffen. Millionen von Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, und Tausende von Firmen sind gezwungen zu schließen. Hinzu kommen eine wachsende Arbeitsbelastung und auch die simple Sorge vor Ansteckung, die Beschäftigte zusätzlichem Stress aussetzen.

Diese außergewöhnliche Situation ermöglicht aber auch einige Themen zu enttabuisieren: So rückt etwa die psychische Gesundheit, sonst eher ein Thema, das höchstens in Arztpraxen oder hinter vorgehaltener Hand Erwähnung fand, vermehrt ins Blickfeld. Psychische Erkrankungen kosten Unternehmen jährlich Milliarden Euro. Daher schenken auch Management und Führungsetage dieser Herausforderung vermehrt Beachtung.

Laut Bundesgesundheitsministerium gehen etwa rund 15 Prozent aller Fehltage auf Erkrankungen der Psyche zurück. Besonders brisant: die Krankheitsdauer, die bei psychischen Leiden mit durchschnittlich 36 Tagen dreimal so hoch ist wie bei anderen Erkrankungen mit 12 Tagen. Die Krankheitskosten durch psychische Erkrankungen belaufen sich laut Statistischem Bundesamt (Destatis) auf rund 44,4 Milliarden Euro. 

Als Technologieunternehmen ist es für uns von jeher wichtig herauszufinden, wie Innovationen und Technologien unser Leben einfacher machen können, das heißt Probleme lösen können. Vor drei Jahren haben wir im Rahmen unserer AI@Work-Studie gefragt, wie Arbeitnehmer über neue Technologien und insbesondere über Künstliche Intelligenz denken. Als mit der Corona-Pandemie Homeoffice zur Norm wurde, wollten wir die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit besser verstehen. Unsere jüngste Umfrage bestätigt, dass 2020 das bisher stressigste Jahr war und ist. In Deutschland verspürten 52 Prozent der Befragten mehr Stress und Angst am Arbeitsplatz als in jedem anderen Jahr zuvor. Bei 68 Prozent litt hierdurch die eigene psychische Gesundheit, was oft weiteren Stress zur Folge hatte. „Work-Life-Balance“ ist für viele Menschen derzeit fast ein Unwort, denn alles unter einem Hut zu bekommen, eingeschränkter Wohnraum, Hobbies, soziale Kontakte, Kochen, Einkaufen und Videokonferenz-Marathone, befeuert Unausgeglichenheit oder gar Burnout und Depressionen.

Psychische Gesundheit weit mehr als Nischenthema

Fragen rund um die psychische Gesundheit wurden lange Zeit abseits von Büro und Arbeitswelt behandelt. Die aktuellen Ereignisse haben allerdings dazu geführt, dass Privat- und Arbeitsleben häufiger als je zuvor überlappen. 77 Prozent der deutschen Arbeitnehmer sagen, dass psychische Gesundheitsprobleme sich in Schlafmangel oder der Isolation von Freunden ausdrücken und sich insgesamt negativ auf die körperliche Gesundheit auswirken. All dies beeinträchtigt auch die Arbeitsmoral. Damit nicht genug: Laut Studie arbeiten 28 Prozent der Deutschen im Homeoffice zudem mehr als 40 zusätzliche Stunden pro Monat. 15 Prozent von ihnen hatten aufgrund der Arbeitsüberlastung infolge der Covid-19-Pandemie bereits ein Burnout.

Mitarbeiter bevorzugen Gespräche mit Chatbots

Um derartige Herausforderungen anzugehen, wenden sich Menschen, auch das hat die Oracle-Erhebung gezeigt, vermehrt technologischen Lösungen zu. 56 Prozent der deutschen Arbeitnehmer würden beispielsweise lieber mit einem KI-gestützten Ansprechpartner als mit ihrem Vorgesetzten über Stress und Angst bei der Arbeit reden. Zudem sind 70 Prozent offen für KI-basierte Lösungen als Therapeut oder Berater. Gespräche mit einem Chatbot beinhalten für sie diverse Vorteile wie etwa eine urteilsfreie Beratung (34 Prozent stimmen zu), unvoreingenommene Gespräche über Probleme (23 Prozent) und schnelle Antworten auf gesundheitsbezogene Fragen (28 Prozent). Für 68 Prozent der Deutschen hat sich KI bereits als Hilfe für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz herausgestellt, indem sie etwa wichtige Informationen bereitstellt, Aufgaben automatisiert oder Stress reduziert.

Allerdings wird der psychischen Gesundheit je nach Generation unterschiedlich viel Bedeutung beigemessen. Internationalen Studien zufolge halten 31 Prozent der Babyboomer ihre psychische Gesundheit für ein ernstes Gesundheitsproblem, bei den jüngeren Millenials sind es bereits 60 Prozent und bei Vertretern der noch jüngeren Generation Z sogar 75 Prozent. Doch auch wenn sich hier Unterschiede zeigen, ist allen Altersgruppen gemein, dass Technologie, die Zusammenarbeit, Kommunikation und Produktivität unterstützen und damit positive Auswirkungen auf Arbeitsabläufe (Automatisierung) und Psyche (Ansprechpartner) haben kann. 

Vier Tipps für mehr Mental Health am Arbeitsplatz

Es ist nicht leicht das Thema anzusprechen. Daher haben wir hier einige Ideen zusammengestellt, die den Einstieg in eine derartige Unterhaltung erleichtern können:

  1. Empathie als wichtige Grundlage: Einfühlungsvermögen ist essentiell, um die Gefühle anderer verstehen und teilen zu können. Für Manager und Führungskräfte bedeutet das zunächst einmal, dass sie zuhören und sich auf die Gedanken und Empfindungen ihrer Mitarbeiter einlassen sollten, um dann gemeinsam Wege zu finden, mit einer Situation klarzukommen oder aus ihr herauszukommen. Vermehrt setzen Unternehmen hier auf den Einsatz von digitalen Assistenten (Bots) , die Mitarbeiter online unterstützen.
  2. Mitarbeiter müssen sich dazugehörig und wohl fühlen: Der digitale Arbeitsplatz sollte einladend und mit positiven Konnotationen besetzt sein – vor allem in Zeiten, in denen immer mehr von zu Hause aus gearbeitet wird. Die Konzentration auf wichtige Aufgaben kann allein dadurch eingeschränkt werden, wenn das Gefühl aufkommt, nicht alle notwendigen Informationen zur Verfügung zu haben. Langfristig kann sich die isolierte Arbeit im eigenen Büro oder Homeoffice auf die psychische Gesundheit des Einzelnen auswirken. Was kann dem entgegenwirken? Führungskräfte sollten sich Zeit für persönliche Gespräche nehmen und in ihnen auch Anerkennung für die Beiträge des Einzelnen zum größeren Ganzen einfließen lassen.
  3. Tiefergehende Gespräche mit Teammitgliedern fest einplanen: Wöchentliche Einzelgespräche im Büro konzentrieren sich oft auf aktuelle Projekte oder auf Leistungen, die besondere Anerkennung verdienen. Aktuell bietet es sich an den Radius grösser zu ziehen, das heißt Fragen des persönlichen Befindens und Wohlergehens zu adressieren. Es muss Zeit dafür da sein, die Verantwortlichkeiten der Mitarbeiter mit den Zielen der Organisation zu diskutieren, insbesondere in Unternehmen, in denen es möglicherweise zu Kurzarbeit, Zwangspausen oder Entlassungen gekommen ist. Die Mitarbeiter wollen gehört werden und verstehen, wie das Management mit ihren Anliegen umgeht.
  4. Spezielle Tage zur Förderung der psychischen Gesundheit: Manchmal ist es schlichtweg nicht möglich den normalen Arbeitstag mit den sich überschlagenden Ereignissen in Balance zu halten. Daher sollten Mitarbeiter ermutigt werden, sich regelmäßig Zeit für sich selbst zu nehmen, um neue Kraft zu tanken. Dazu gehört, arbeitsbezogene Aufgaben und Gespräche auch einmal kurzzeitig in den Hintergrund zu rücken.


Und jetzt? Corona-Pandemie beeinflusst Arbeitswelt von morgen

Corona wird auch in den kommenden Wochen und Monaten ein Thema bleiben, das uns beschäftigt, und das sowohl die große Weltwirtschaft als auch die Gesundheit des Einzelnen berührt. Bald werden zwar die ersten Impfungen stattfinden, aber Menschen und Unternehmen werden trotzdem noch eine Weile Wege finden müssen, um Arbeitsbelastung, Privatleben und aktuelle Entwicklungen in Einklang zu bringen.

Aber keine Angst: Es gibt nicht nur Hiobsbotschaften. Zwar hat unsere Umfrage gezeigt, dass 2020 das stressigste Jahr der jüngsten Vergangenheit ist, doch neue KI-gestützte Technologie gibt Führungskräften, die nach praktikablen Lösungen suchen, Unterstützung und eine Chance zum Luftholen. Es ist absehbar, dass in nächster Zeit immer mehr Arbeitgeber und Arbeitnehmer die psychische Gesundheit in den Fokus rücken und so eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes einleiten werden.


Weitere Artikel zu diesem Thema:


 

Be the first to comment

Comments ( 0 )
Please enter your name.Please provide a valid email address.Please enter a comment.CAPTCHA challenge response provided was incorrect. Please try again.