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Der Tinder-Effekt: Wie eine soziale App Präzision gegen Breitenwirksamkeit eingetauscht hat

Vine. WhatsApp. Tinder. Völlig verschiedene Apps, die verschiedenen – überwiegend geselligen – Zwecken dienen.

Sicherlich ist das für einen professionellen Marketer, der jeden Tag mit B2B Big Data arbeitet, nicht so sehr von Interesse?

Überraschenderweise doch! Obwohl diese Handy-Apps simpel erscheinen, verkörpert das, was sie tun, die Essenz von Big-Data-Marketing: Sie wandeln schwer quantifizierbaren Input in leicht verständlichen Output um. (Mit klar messbaren Ergebnissen.)

Was also ist das Geheimnis ihres Erfolgs? Hier sind drei Marketingtipps ... die alle auf datenbasiertes Marketing zutreffen – und das sogar auf allen Ebenen.
 

Ersetzen Sie lange Fragebögen durch einfache Maßnahmen

Nehmen Sie zum Beispiel Tinder. Mit Hilfe von Tinder können Nutzer interessante Menschen in ihrer Nähe kennenlernen, beispielsweise Personen, die in dasselbe Fitnessstudio gehen oder sich in derselben Bar aufhalten.

Die App tut eigentlich nichts weiter, als es ihren Nutzern zu erlauben, durch Fotos von anderen registrierten Nutzern zu browsen und dann nach rechts oder links zu „wischen“, um ihre Zustimmung oder Ablehnung zu bekunden.

Wenn beide Nutzer einander gefallen, können sie Nachrichten austauschen und Treffen organisieren.

Vergleichen Sie diese Vorgehensweise mit den langen Fragebögen, die man auf vielen Dating-Webseiten findet ... oder traurigerweise auch bei vielen Marketing-Anmeldeformularen.

Wenn Sie versuchen, mit detaillierten Formularen selbst das kleinste Bisschen an Informationen aus potenziellen Kunden herauszuholen, werden diese wohl eher das Weite suchen und damit auch Ihre Conversion-Rate einbrechen.

Deswegen lautet unser erster Tipp: Setzen Sie statt auf Präzision, auf Attraktivität. Machen Sie es potenziellen Kunden leicht, ihr Interesse zu bekunden.

Das Volumen eines potenziellen Verkaufs sollte nicht proportional sein zu der Anzahl auszufüllender Felder in einem Newsletter-Anmeldeformular.

Ihre Kaltakquise sollte auf einer freundlichen Basis fundieren... nicht auf einem strikten Aussortierungsverfahren.

Versuchen Sie, selbst die geringsten unnötigen Kosten zu beseitigen

Vielen Marketingprofis fällt es schwer, die Vorteile der Kurznachrichten-App WhatsApp zu erkennen.

Es scheint, als ob die App nicht viel mehr bietet, als Kurznachrichten zu versenden, und man muss überdies den Zeitaufwand des Downloads in Kauf nehmen.
 
Die überwiegend jungen Nutzer von WhatsApp sehen das allerdings anders.

Sie haben Tausende von Kontakten und verwalten diese nicht mit einer Liste von Telefonnummern, sondern mithilfe der sozialen Medien. Für sie ist automatische Texterkennung kein nützliches Extra, sondern ein grundlegendes Menschenrecht. 

WhatsApp-Nachrichten werden über das Internet verschickt und lassen so das monatliche Guthaben des Nutzers unangetastet. Für alle, die mit einem Studentenbudget auskommen müssen oder im Ausland studieren, ist das ein großer Vorteil.
 
Diese kleinen Geld- und Aufwandseinsparungen multipliziert mit Millionen von Nutzern stellen einen bedeutenden Mehrwert für die Marke WhatsApp dar. Nun zu unserem zweiten Tipp: Welches kleine Extra-Feature, das für Ihre Kunden überproportional nützlich wäre, könnten Sie anbieten?
 
Vielleicht einen Sofort-Anruf-Knopf in Ihren E-Mails statt einer Telefonnummer? Oder eine Alternative zu Captchas, die zwar funktionieren, aber von jedermann gehasst werden?

Suchen und beseitigen Sie Kleinigkeiten, die Kunden dazu veranlassen könnten, sich von Ihnen abzuwenden.

Lernen Sie die Prinzipien der „Gamifizierung“

Sechs Sekunden lange Videos? Was bringt das? Genau das macht Vine: Die App ermöglicht es Nutzern, ihre (sehr) kurzen Videos hochzuladen und zu teilen.

Das Alleinstellungsmerkmal von Vine ist allerdings nicht leicht zu durchschauen: Die App gleicht einem Spiel.

Videos auf Vine müssen in einer „Schleife“ laufen, sprich sie müssen ihre sechs Sekunden Laufzeit mit dem gleichen Bild beenden, das am Anfang zu sehen war. Das hat eine hypnotisierende Wirkung, fördert die Kreativität und führt dazu, dass die Videos Millionen Mal angesehen werden. 

Der Erfolg von Vine basiert auf der Art und Weise, wie die App strenge Regeln mit einer großen Belohnung kombiniert. Genau das ist eines der Prinzipien der Gamifizierung: Die Nutzer werden dazu verleitet, härter zu arbeiten, indem Teile ihrer Aufgabe als Spiel gestaltet werden.

Jeder Computerspieler, der ein ganzes Wochenende in einer apokalyptischen Landschaft nach einer raren Laserwaffe gesucht hat, weiß, wie viel Zeit er bereit ist, in die Suche zu investieren, wenn die Belohnung auch wirklich groß genug ist. 

Bei einer Länge von sechs Sekunden verlangt Vine keinen großen Zeitaufwand von seinen Nutzern. (Besonders verglichen mit der Zeit, die ein Video in einer Marketingpräsentation durchschnittlich braucht, um in Fahrt zu kommen.)
 
Daher unser letzter und wichtigster Tipp: Belohnen Sie Einsatz.

Dazu gibt es viele Mittel und Wege. Statt in Ihren Sicherheitsfragen wie üblich nach dem Mädchennamen der Mutter zu fragen, lassen Sie die Kunden ihre Lieblingsfarbe angeben.

Danach können Sie diese Farbe für den Hintergrund der Dankesseite wählen. Oder schreiben Sie den folgenden Satz in Ihre Danksagung: „Wussten Sie, dass Ihr Name ein Anagramm von XXXXX ist?“.

Anschließend können Sie den Kunden dazu auffordern, dieses Anagramm auf Ihrer Webseite einzugeben, um ein spezielles Angebot zu erhalten. 

(In den 70er Jahren fragte Epson potenzielle Kunden in einer Anzeige nach deren Lieblingssängern. Die Mitarbeiter im Telefonmarketing wurden dann über die beliebtesten Greatest Hits gebrieft, bevor sie die jeweiligen Kunden anriefen. Eine kreative Verwendung von Kundendaten.)

Solche kleinen Kniffe sind genau das, was Vine macht: Sie halten potenzielle Kunden auf dem Laufenden.  (Und liefern Ihren Vertriebsmitarbeitern Fakten, um beim ersten Meeting das Eis zu brechen.)
 
Drei kleine Apps, die auf drei großen Ideen basieren. Und B2B-Marketer können diese Prinzipien ebenfalls anwenden.

 

Schlussfolgerungen:

  • Verlangen Sie nicht zu viele Informationen von potenziellen Kunden, sondern konzentrieren Sie sich auf eine einfache Maßnahme.
  • Selbst der kleinste Aufwand, den Sie potenziellen und existierenden Kunden ersparen können, erhöht Ihre Click-Through-Rate.
  • Es gibt Mittel und Wege, um den Engagement-Prozess unterhaltsam zu gestalten.

 

Erfahren Sie noch mehr darüber, wie Sie Ihre Marketingdaten besser nutzen können.

Lesen Sie unseren kostenlos zum Download erhältlichen Modern Marketing Essentials Guide: Datenmanagement.

 

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