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Bauprojektmanagement: News, Ressourcen und Best Practices

Oracle Construction & Engineering auf der internationalen BIM-Konferenz und Ausstellung „Digital&BIM Italia 2019“

Ulrich Hartmann
Product Manager, BIM Expert, Oracle Construction & Engineering

Mit ca. 100 Austellern und vielen internationalen Konferenzbeiträgen stieß die diesjährige Digital&BIM Italia bei Besuchern und Ausstellern auf ein großes Echo. Der Eindruck täuscht nicht, dass ähnlich wie in Deutschland der BIM-Funke übergesprungen ist. Professor Angelo Ciribini von der Universität Brescia ist Organisator der Konferenz und einer der Treiber vom BIM in Italien. In einem abgestuften Vorgehen führt Italien seit 2019 BIM bei öffentlichen Aufträgen ein und wird 2022 BIM verpflichtend einführen.

Erst seit kurzem als nationales Chapter im Reigen der BuildingSMART international Mitglied legt Italien schon jetzt ein gehöriges Tempo vor. Mit einer Delegation von Zwanzig auf dem buildingSMART international Summit in Peking vertreten, bereits eine internationale Standardisierungsinitiative zum Thema BIM-Qualifikation bei der ISO auf den Weg gebracht, enge Zusammenarbeit, mit anderen europäischen Ländern, Vorbereitung und Qualifizierung von Baubehörden für BIM, da geht was voran in Sachen BIM in Italien.

 

Internationale BIM-Konferenz

Nach dem Vorbild anderer internationaler BIM-Veranstaltungen parallel zur Ausstellung und international hochrangig besetzt, bot die zweitägige BIM-Konferenz ein breites Spektrum von ca. 30 Vorträgen. Zu mehreren parallelen Sessions reicht es noch nicht, ist aber dadurch kein Nachteil, da man sich selbst ebenfalls nicht verdoppeln kann, sollten in parallelen Tracks interessante Beiträge gleichzeitig laufen.

Zu Beginn erläutert Aidan Mercer, Market Director von BuildingSMART international, die Organisation und Aufgaben dieses internationalen Industrieverbandes, der durch Standards wie IFC, BCF und bsDD ein Treiber der BIM-Entwicklung war. 


(Aidan Mercer, Marketing Director von BuildingSMART international, erläutert die Arbeitsweise und Standardisierungsaktivitäten von BuildingSMART international)

 

Italien setzt auf internationale BIM-Standards

Die Umsetzung von BIM in den öffentlichen Verwaltungen wird in Italien als entscheidender Erfolgsfaktor betrachtet. Während Deutschland noch im föderalen Gerangel zwischen Bund und Ländern blockiert ist, arbeitet man in Italien bereits an der Einführung in den Behörden. Wie die Zertifizierung von BIM-Experten und BIM-Managementsystemen in Italien aussieht, stellt Lorenzo Orsenigo, Präsident von ICMQ, dem italienischen Referenzpunkt für Zertifizierungs- und Inspektionstätigkeiten im Bausektor, vor. ICMQ erarbeitet in Übereinstimmung mit den internationalen, europäischen und nationalen Standards, die die Tätigkeit der Zertifizierungsstellen regeln, verfolgt Normungsaktivitäten, arbeitet bei der Umsetzung von Anwendungsleitfäden, spezifischen Vorschriften und Checklisten mit und kümmert sich um die BIM-Ausbildung. Dort wurde der nationale Standard für BIM-Kompetenzen entwickelt, der 2018 in Kraft trat.

 

BIM Qualifikation

Das italienische Ministerium für Infrastruktur und Transport hat ein entsprechendes Dekret zu BIM-Einführung erlassen. Es greift die Vorgaben des EU BIM Task Group Handbuches auf. Welche Qualifikationen benötigen BIM Koordinatoren, BIM-Manager und CDE-Manager? Die Italiener stoßen mit diesem Thema auch gleich auf die internationale Ebene vor und wollen einen internationalen ISO-Standard für BIM-Qualifikationen entwickeln. Wie man sieht, nimmt Italien die BIM-Grundsätze von Transparenz und Zusammenarbeit auch bei seinen internationalen Normungsaktivitäten beim Wort.

Unabhängig davon entwickelt auch buildingSMART international (bSi) ein eigenes Qualifikationsprogramm, das Mark Baldwin, bS International Professional Qualification Program Manager, vorstellt. Die Aktivitäten bei der ISO und bei bSi laufen bisher recht unabhängig voneinander und auch die deutsche nationale BIM-Qualifizierungsrichtlinie VDI 2552-8 wird getrennt davon entwickelt. Bestrebungen, bereits entwickeltes zu nutzen, sind, so hört man, von deutscher Seite bereits im Gange.



(“Professional qualification” – Mark Baldwin, bS International Professional Qualification Program Manager)

 

Italienische BIM-Kompetenz in UK

Enge Zusammenarbeit gibt es zwischen Italien und dem Vereinigten Königreich (UK). Die von Marzia Bolphagni, Senior BIM Advisor bei Mace in London, ins Leben gerufene Intiative „Italians in Digital Transformation UK (IDTUK)“ ist die Plattform dafür. Viele italienische BIM-Fachleute arbeiten, wie Bolphagni selbst, bei großen Bauunternehmen in Großbritannien. IDTUK bietet Bezugspunkte zwischen Fachleuten aus Italien und UK und eine Vernetzung britischer und italienischer BIM-Kompetenz. Das nutzt Synergien und schafft ein übernationales Netzwerk.

 

CEN Standardisierung “Offene CDE Schnittstellen“

Common Data Environments (CDE) gewinnen stark an Bedeutung. Sie sind ein Schlüsselelement bei der BIM-Implementierung. Als Leiter der CEN/TC 442 Arbeitsgruppe „OPEN CDE API“ durfte ich die Grundgedanken für offene Standards beim Datenaustausch mit Gemeinsamen Datenumgebungen (CDE) einem breiteren Konferenzpublikum erläutern und stieß dabei auf ein sehr positives Echo bei Anwendern und Anwendungsentwicklern. Durchgängigkeit der Daten über alle Phasen im Gebäudelebenszyklus und Integration von Anwendungen in die CDE sind Themen, die die zentrale Bedeutung von CDEs unterstreichen.


(CDEs- Ökosystem für BIM-Anwendungen. Offene Schnittstellen ermöglichen nahtlosen Datenaustausch. – Ulrich Hartmann, ORACLE Construction & Engineering)

 

BIM- Software Zertifizierung

In einer Live-Schalte zum Thema „Internationale Software Zertifizierung“ konnte Prof. Rasso Steinmann einmal mehr seine zeichnerischen Ambitionen unter Beweis stellen. Anders als mit den üblichen Power-Points, zeigte Prof. Steinmann live und sehr anschaulich die Zusammenhänge von Use Cases, Austauschanforderungen und Model View Definitions und deren Bedeutung für die Software-Zertifizierung.


(“Certification” (online) – Prof. Rasso Steinmann, bS International Software Certification Program Manager)

 

Serious Gaming – Spielerisch Modellieren

Das BIM-Bestandsmodellierung auch unaufwendig und effizient sein kann - das notwendige Know-How vorausgesetzt - zeigt lkay May, international bekannte BIM-Expertin (EU BIM Handbook, ARUP). Das Unternehmen loclab widmet sich BIM seit einiger Zeit von einer ganz anderen Seite. Ansätze aus dem Gaming Bereich verschaffen dem Thema Bestandsmodellierung völlig neue Möglichkeiten. BIM-Modelle aus systematischen Foto- oder Videosequenzen algorithmisch zu entwickeln, ist schneller und günstiger als mit aufwendigen Laser Scans. Hier werden echte BIM-Modelle mit geringem Datenvolumen aus normalen Fotos erstellt. Mustererkennung und umfangreiche Bauteilbibliotheken machen aus Pixeln echte Modellelemente. Konzeptbedingt und dank Wiederholungsfaktor um ein Vielfaches kompakter als Punktwolken und in Formaten, die in üblichen Modellierungswerkzeugen bearbeitet werden können. Das digitale Ergebnis (Bild links) ist dann meistens sogar besser als das Original (Bild rechts).


(“Games technology in asset design and management” – Dr. Ilka May, loclab)

 
Linked Data – Daten-Vernetzung statt Copy/Paste

Die Vernetzung von Daten mit Linked Data Ansätzen führt laut Prof. Markus König von der Ruhr Universität Bochum und stellvertretendem Leiter des deutschen BIM-Kompetenzzentrums zur Beherrschung von Komplexität und zur Vermeidung von Redundanzen.


(Prof. König belegt dies mit Praxisbeispielen aus dem Tunnelbau)

 

Saha Hadid Architects – BIM at its Best

Nicht nur die Architektur der - leider zu früh verstorbenen - weltbekannten Architekturikone ist atemberaubend. Die fast nur aus Freiformflächen bestehende Architektur erfordert ein ebenso durchdekliniertes Informationsmanagement, anders wäre die Komplexität der Gebäudetechnik, der Baustellenlogistik und des Gebäudebetriebs gar nicht zu beherrschen.

Mauro Sabiu, Senior Architect und Design Technology Specialist in der BIM Design Technology Group führt augenfällig vor, dass nur eine enge Verzahnung von Anwendungen und Prozessen die Umsetzung einer solchen komplexen Architektur ermöglicht. Offene Schnittstellen zu CDEs könnten hier entscheidende Funktionalitäten liefern.


(Koordinationsprozesse sind entscheidend für den Erfolg komplexer Gebäude. Die Spezialisten der Design Technology Group von Saha Hadid Architects setzen BIM-Technologien ein, um Komplexität zu beherrschen.)


Digital&BIM Ausstellung

In der mit rund 100 Ausstellern voll belegten Messehalle der BolognaFiere zeigten die bekannten Branchenboliden ihre Lösungen. Das spiegelt die Einschätzung der Bedeutung des italienischen BIM-Marktes. Aber auch kleinere Anbieter zeigten ihre Produkte oder Dienstleistungen. Dokumentation des Ist-Zustandes durch Drohnenüberflüge und Bestandsaufnahme per Laserscan sind häufige Leistungen kleinerer Anbieter. Zunehmend werden Drohnensysteme, Laserscanner und VR-Systeme in die Systemlandschaft integriert. Ein Trend weg von einzelnen Gimmicks hin zu in BIM-Anwendungsfälle eingebettete Lösungen deutet sich an.

Bei der Vielzahl der Lösungen ist ein Trend zu offenen Schnittstellen und der Einbindung von Applikationen über Standards klar erkennbar, auch wenn einzelne, vorwiegend große, Hersteller die große Bandbreite ihrer Produktpalette demonstrieren, die vorwiegend mit ihren eigenen Datenformaten funktioniert.

ACCA, augenscheinlich Hauptsponsor, nach eigenen Worten italienischer Marktführer für Konstruktions-, Ingenieur- und Architektursoftware ist buildingSMART International Mitglied und beherrscht durch Auftritt, Standgröße und zahlreiche Standaktivitäten die Ausstellung. Zahlreiche BIM-Lösungen, inklusive Informationsmanagement und Kollaborationsplattform erwecken großes Interesse bei den Besuchern.


(Virtual Reality eingebunden in Modellumgebungen, nicht mehr nur ein Gimmicks. Anwendungsfälle wie virtuelle Begehung und Koordinationsmeetings werden zunehmend eingesetzt.)


Fazit

DIgital&BIM Italia ist nach dem Start im Jahr 2017 zu einer sehenswerten BIM-Ausstellung und -Konferenz herangewachsen, die ein breites, vorwiegend nationales Publikum anzieht. Die überwiegend internationalen Sprecher der BIM-Konferenz zeigen die Offenheit zu internationaler Kooperation und Vernetzung in einem bisher noch überschaubaren nationalen Spektrum. Um Prof. Angelo Ciribini versammelt sich die Speerspitze der nationalen BIM-Kompetenz, mit sehr bemerkenswerten BIM-Initiativen. Trotz allem ist auch in Italien der BIM-Weg ein steiniger, umso mehr gilt das BIM-Postulat zur Zusammenarbeit. Willkommen Italien im Club der aufstrebenden BIM-Nationen!

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